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Blich auf den Haupteinang und den Park vor dem Museum.

Das MK&G

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) ist eines der wichtigsten Häuser für Gestaltung in Deutschland. Seine Sammlung reicht von der Antike bis zu den Innovationen der Gegenwart und umfasst den europäischen, ostasiatischen und islamisch geprägten Kulturraum. Das Museum versteht sich als ein Haus für Diskurse und sieht die Frage der Gestaltung unserer Welt als eines der wichtigsten Themen unserer Zeit.

Wir fordern uns und euch heraus, gemeinsam die Gestaltung der Welt zu hinterfragen und neu zu denken.

Vision

Geschichte

Anders als Museen, die sich aus herrschaftlichen Kunst- und Wunderkammern entwickelt haben und Häuser, die sich der freien Kunst widmen, haben Kunstgewerbemuseen ein im Wortsinn handfestes Ziel: Sie bieten Vorbilder für Handwerk und Industrie und sollen den Geschmack der Gesellschaft bilden.

Das MK&G ist eines jener Häuser, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu diesem Zweck entstanden sind. Dem ersten Kunstgewerbemuseum,  dem Victoria and Albert Museum in London (ursprünglich South Kensington Museum) folgen Wien, Berlin, Paris und viele andere.

Justus Brinckmann, Jurist und Gründungsdirektor, verfolgt hartnäckig Pläne, auch in Hamburg ein Kunstgewerbemuseum zu etablieren. Die ersten Versuche scheitern am Geld. 1873 verbringt Brinckmann anlässlich der Weltausstellung neun Wochen in Wien und lässt sich zahlreiche Objekte schenken, darunter etwa „…Probesammlungen japanischer Lacke und eine Sammlung Rohstoffe und Formen für die Fabrication des Porzellans… auch mehrere österreichische Fabricanten (u.a. Josef Thonet) haben mir Serien ihrer Fabricate zur Veranschaulichung der Arbeitstheilung oder der technischen Verfahrensweisen zur Verfügung gestellt“, schreibt Brinckmann 1873 in einem Briefentwurf an Senator Hayn.

Von Beginn an sammelt Brinckmann neben europäischem Kunsthandwerk auch Objekte aus Persien, Indien, dem Kaukasus, China und Japan. Dass Brinckmann sein Kunstgewerbemuseum am Ende doch verwirklichen kann, verdankt er neben seiner Hartnäckigkeit, der tatkräftigen Unterstützung der Patriotischen Gesellschaft, auch der Absicht seiner Geldgeber, die Absatzchancen für Hamburger Gewerbetreibende zu erhöhen, wenn die Produkte dank Vorbildern hochwertiger würden.

Die Architektur

Die ersten Ankäufe und Geschenke, die Brinckmann nach Hamburg bringt, präsentiert er in gemieteten Räumen im Erdgeschoss eines Gebäudes am St. Annenplatz, heute Überseequartier. Nach zweieinhalb Jahren zieht das Museum um. Das Bauwerk am St. Annenplatz fällt der Speicherstadt zum Opfer.

Im September 1876 wird das große Schul- und Museumsgebäude am Steintorplatz fertiggestellt, 1877 bezogen. Damals gibt es weder die beiden großen Aus- bzw. Einfallstraßen noch den Hauptbahnhof. Auf dem parkähnlichen Gelände entsteht ein dreigeschossiger Bau, dessen vier Flügel und zwei Innenhöfe an ein Schloss erinnern. Hamburgs Baudirektor und Architekt des Gebäudes Carl Johann Christian Zimmermann beschreibt es so: „...eine einfache, allen Luxus vermeidende, aber der Bedeutung und Ausdehnung des großen Bauwerks entsprechend würdige Haltung…“. Als architektonisches Highlight gilt die Fassade des 1619 errichteten Hotels „Kaiserhof“, die im nördlichen Innenhof eingebaut worden ist – auf Veranlassung von Justus Brinckmann, der sich neben dem Museum auch dem Denkmalschutz verschrieben hat.

Abgesehen von der Turnhalle bleibt das Erdgeschoss dem Brinckmannschen Museum und den naturkundlichen Sammlungen vorbehalten. Die anderen Geschosse okkupieren diverse Schulen: die „Allgemeine Gewerbeschule“ mit der „Schule für Bauhandwerker“, die „Gewerblichen Vorschulen“ und die „Schule für Maschinenbauer und Techniker“. Dazu kommen eine „Zeichenschule“ und eine „Schule für mechanische Handarbeiten“. In der Folge beklagen zunächst Brinckmann und später seine Nachfolger den Platzmangel. Zug um Zug ziehen die Schulen aus, 1914 etwa die Kunstgewerbeschule, die ihren Neubau am Lerchenfeld als Hochschule für bildende Kunst bezieht. Am Ende überlassen die Lehranstalten das gesamte Gebäude dem Museum. Dennoch monieren Direktoren wie Axel von Saldern die für ein Museum ungünstige Raumeinteilung in kleine Räume und lange Flure.

Im Laufe der Jahrzehnte wird das Museum immer wieder baulich erweitert: 1987 lässt Axel von Saldern im Nordhof etwa den Spiegelsaal aus der Villa Budge wieder auf- und einbauen. Mit dem 1909 von Martin Haller gestalteten Festsaal ist ein Zeugnis großbürgerlicher Wohnkultur erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich geblieben.

1996 ermöglicht das Stifterpaar Schümann den Neubau eines ganzen Flügels. Gleichzeitig erhält das Museum die Sammlung historischer Tasteninstrumente von Heikeding Körting Beurmann und Andreas Beurmann geschenkt. Cembali und Klaviere nehmen zwei Stockwerke des Neubaus von Architekt Jan Störmer ein. Im zweiten Obergeschoss erhält das Museum mit dem „Forum Gestaltung“ eine zusätzliche Ausstellungsfläche, im Untergeschoss zieht die „Gerd Bucerius Bibliothek“ ein.

Die Ankaufspolitik

Neben vielen einzelnen Exponaten, die Brinckmann im Laufe der Jahre sammelt und geschenkt bekommt, denkt er von Anfang an ganzheitlich und formuliert sein Konzept der kulturhistorischen Raumanordnungen so: „…mit der Zeit eine ganze Reihe derartiger Wohnräume, jedem vom größten bis zum kleinsten Geräth im Stil der bestimmten Epoche einzurichten und auszustatten.“

Doch immer sind die finanziellen Mittel für Ankäufe knapp. Eine Ausnahme bilden die 100 000 Goldmark, die Brinckmann 1900 für die Pariser Weltausstellung erhält und damit erstmals zeitgenössische Arbeiten kauft. Chronisten berichten, dass gerade die Erwerbungen auf der Pariser Weltausstellung bei Zeitgenossen und Presse viel Aufmerksamkeit erregen. Brinckmann selbst sagt dazu: „Der Pariser Saal möge nicht einem Museumssaale oder einem Ladenraum gleichen, sondern den Eindruck einer bewohnbaren Halle hervorrufen, wie sich solche etwa ein Freund oder Sammler neuzeitlicher Kunst einrichten möchte.“

Wegweisend ist, dass Brinckmann über alle Grenzen und Arten hin sammelt. Hohe Ansprüche stellt er an stilistische Qualität und Herstellung. Einen Schwerpunkt legt er auf Keramik, unter seiner Ägide wächst die Sammlung zu einer der größten Europas. Auch Objekte der Antike und Musikinstrumente sind für ein Kunstgewerbemuseum eher unüblich. Seine profunde Kenntnis des internationalen Kunsthandels und seine weitreichende Vernetzung ermöglichen ihm, herausragende Objekte auch für bescheidenes Geld zu erwerben. Exkursionen, über viele Jahre gepflegte Kontakte in die Kunstszene und das grundsätzlich antizyklische Sammeln von noch nicht bekannten Stücken, etwa in der Gebrauchsgrafik und der Plakatkunst, tun ihr übriges.

Wie wichtig Brinckmann die Vermittlung ist, beweist er, in dem er sämtliche Objekte mit einer ausführlichen Beschriftung versieht und durch Führungen und Vorträge erläutert. Er sieht, wie Gottfried Semper, in den Sammlungen eine „Schule des allgemeinen Volksgeschmacks“.

Brinckmanns Nachfolger, Max Sauerlandt (1919-1933), schlägt neue Wege ein. Neben Ankäufen zeitgenössischer Kunst fördert er ganz gezielt Künstler*innen, darunter Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff. Zudem gibt Sauerlandt die bis dahin geltende Systematik der Präsentation nach Materialgruppen auf; er fasst Stilperioden nach ganzheitlichen Komplexen auf und ordnet sie in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander an. Das bedeutet, er zeigt zeitgenössische Arbeiten in enger Verbindung zu antiken Stücken, zutiefst überzeugt von der Gleichwertigkeit der Gattungen und den Zusammenhängen aller Kulturen.  Durch die Präsentation in kleinen Saalgruppen, die Sauerlandt in leuchtend satten Farben streichen lässt, ändert sich die Anmutung der Räume und somit die Stimmung des Hauses. Geradezu revolutionär mutet die Absicht an, den Besuch mit zu den Kunstwerken passender Musik und mit ihnen harmonierenden Gerüchen zu untermalen und dadurch zu einem „Gesamterlebnis“ werden zu lassen.

Zur finanziellen Unterstützung von Ankäufen gründet Sauerlandt 1921 die Justus Brinckmann Gesellschaft, allerdings ist damit nicht der heutige Freundeskreis gemeint. Der geht in den 1950er Jahren aus dem Kunstgewerbeverein hervor. Nach dem Krieg ist die Förderung des Kunsthandwerkes ein wichtiges Ziel der Justus Brinckmann Gesellschaft – dafür bemüht sich der Verein um Ausbau und Pflege der „Jahresmesse Kunsthandwerk“ und stiftet den „Justus Brinckmann Preis“. Der Gründungsdirektor selbst hat 1879 erstmals eine solche Messe veranstaltet. Die Tradition wird 1949 fortgesetzt mit rund 50 Teilnehmer*innen.

1933 wird Sauerlandt zwangsbeurlaubt, erhält Hausverbot und stirbt ein Jahr später. Vieles von Max Sauerlandts zeitgenössischer Sammlung wird von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt und bleibt verschollen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Ankaufspolitik fortgesetzt, indem die Sammlungen Moderne und Jugendstil, Antike und die Kunst des islamischen Kulturraums gestärkt werden. Besonders hervorzuheben ist der Beginn der Designsammlung. Axel von Saldern, von 1971 bis 1988 Direktor des Hauses, beschreibt die Ankaufspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg so: „Systematik in der Erwerbungspolitik wird über Jahrzehnte hin häufig nur bedingt bemerkbar sein, denn zu viele Imponderablilien bestimmen den Gang der Ereignisse: Marktlage, Geldfluss, Interesse des jeweiligen Museumsleiters, Spezialwissen der Kustoden, Unterbringungsmöglichkeiten usw.“. Dinge, die sich auch in den heutigen 20er Jahren nicht wesentlich geändert haben.

Erich Meyer (1946-1961), „mit beneidenswerter Überredungskunst gesegnet“ (Axel von Saldern), erweitert die Sammlung durch zahlreiche hochwertige Stücke wie etwa dem monumentalen Teppich aus dem Kloster Lünen und der Maria von Tilman Riemenschneider. Lise Lotte Möller (1961-1971) setzt die Erwerbungspolitik ihres Vorgängers konsequent fort und fügt der Sammlung erstklassige Groß- und Kleinplastiken hinzu. Sie baut das Erdgeschoß und die erste Etage weiter aus, versucht, den Verlust der durch die Nationalsozialisten beschlagnahmten Kunst mit gleichwertigen Arbeiten auszugleichen und schafft damit eine über die Grenzen Hamburgs hinaus beachtete Sammlung.

Seit 1999 ist das Museum eine Stiftung öffentlichen Rechts.

Die Ausstellungen

Lise Lotte Möller ist es auch, von der eine Vielzahl von Ausstellungskatalogen überliefert ist, die belegt, dass das Museum seinem Publikum während ihrer Amtszeit eine ganze Reihe thematisch sehr unterschiedliche Sonderausstellungen präsentiert von mesopotamischer und indischer Kunst über das Mittelalter bis zu Oskar Kokoschka.

Seitdem sind Sonderausstellungen als zusätzliche Einnahmequelle unverzichtbar. Neben ästhetischen und unterhaltsamen Themen wie „Louis C. Tiffany“ (1999), „Mythos Chanel“ (2014), „Tattoo“ (2015) und „Beauty. Sagmeister & Walsh“ (2019/20) stehen verstärkt gesellschaftspolitische Fragen im Fokus, die sich um Umwelt, Nachhaltigkeit und spekulativen Zukunftsvisionen drehen wie „Klimakapseln“ (2010), „Endstation Meer. Das Plastikmüll-Projekt“ (2012/13), „Krieg & Propaganda 14/18“ (2014), „Food Revolution“ (2017), „68“ (2018/19), „Social Design“ (2019), „Life on Planet Orsimanirana“ (2021). Ausstellungen und fortlaufende Forschungsprojekte öffnen den Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung und hinterfragen die Gestaltung der Welt.

Seit September 2020 versteht sich der Freiraum im MK&G als Plattform für den Austausch mit der Stadtgesellschaft, in dem immer wieder Gestaltung in ihrer Vielstimmigkeit verhandelt wird.

 
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Digitale
Strategie

Das MK&G wurde gegründet, um zu inspirieren und Beispiele menschlicher Kreativität und das damit verbundene Wissen mit möglichst vielen Menschen zu teilen. Mit unseren digitalen Angeboten und einer digitalen Museumspraxis führen wir unseren Gründungsauftrag im 21. Jahrhundert fort. Das Digitale verstehen wir dabei als Querschnittsmaßnahme und ganzheitlichen Ansatz, der digital und analog zusammen denkt und entwickelt.

Die sogenannte Digitale Strategie bildet den strategischen Rahmen für die digitale Weiterentwicklung des MK&G in den nächsten Jahren. Sie soll Orientierung für die interne Entwicklung bieten, die Position des Hauses gegenüber der Öffentlichkeit definieren und erste Maßnahmen darlegen. Die Strategiepapiere formulieren eine ganzheitliche Vision im Sinne eines “living document” und werden jeweils kontinuierlich weiterentwickelt.

Digitale Strategie (2020-2022)

Digitale Strategie (2017-2019)

 
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Gremien

Senator Dr. Carsten Brosda (Stiftungsratsvorsitzender)
Kultursenator der Freien und Hansestadt Hamburg

Thomas Delissen (Stellv. Stiftungsratsvorsitzender)
Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg

Dr. Sebastian Giesen
Vorsitzender der Justus Brinckmann Gesellschaft

Dr. Michael Ollmann
Unternehmensberater

Monika Bethmann
Finanzbehörde des Freien und Hansestadt Hamburg

Dr. Jana Scholze
Associate Professor Kingston University London

Dörte Spengler-Ahrens
Kreativdirektorin Jung von Matt

Klaus Stemmler
Personalratsvorsitzender des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg

Claus-Günther Budelmann
Ehemaliger Gesellschafter Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG

Christine Claussen
Vorstandsvorsitzende der Martha Pulvermacher Stiftung

Susanne Gernandt
Engagierte Bürgerin im Ehrenamt

Dr. Sebastian Giesen
Vorsitzender der Justus Brinckmann Gesellschaft

Kai-Michael Hartig
Leiter des Bereichs „Kultur“ der Körber-Stiftung

Heikedine Körting-Beurmann
Hörspielproduzentin

Prof. Martin  Köttering
Präsident der Hochschule für bildende Künste Hamburg

Dr. Bernd Kundrun
Vorsitzender der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen

Prof. Dres. h.c. Manfred Lahnstein
Bundesminister a.D., ehemaliger Vorsitzender des Kuratoriums der Zeit-Stiftung

Dr. Katharina Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein
Art Consultant