Flasche (Tänzerinnen)
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- Herstellung 6./7. Jahrhundert
sich das Sassanidenreich über weite Teile des Nahen und Mittleren Ostens, umfasste Gebiete im heutigen Syrien, Irak, Iran, Aserbaidschan, Turkmenistan sowie Pakistan und Afghanistan. Die Sassaniden waren stets Rivalen des Imperium Romanum, später des Oströmischen Kaiserreiches. In den fortwährenden militärischen Konflikten mit Rom gelang es ihrem König Schapur im Jahr 260 , mit Valerian erstmals einen römischen Kaiser gefangen zu nehmen. Unter der Herrschaft des Großkönigs Chosrau I. Anuschirvan (531–579 n. Chr.) erlebte das Reich seine Blüte. Architektur, Reliefs und vor allem Metallarbeiten zeugen bis
heute vom künstlerischen Schaffen im Sassanidenreich. Neben Gold- und Silberarbeiten zählte Glas zu den begehrten Luxusgütern.
Eine markante Form sassanidischer Toreutik stellen birnenförmige, mit Reliefs verzierte Silberflaschen mit einem Wulstring am Hals sowie einem senkrechten Mündungsring dar. Die Gefäße sind ganz oder teilweise feuervergoldet, wobei der Reliefdekor ausgespart wird. Die hochwertigen Gefäße finden zusammen mit Kannen, Rhyta, Trinkschalen und -bechern sowie flachen Tellern Verwendung bei den Banketten der sassanidischen Herrscher, wurden aber auch für adlige Landbesitzer hergestellt. Sie zeigen Jagdszenen, kultische Handlungen und mythologische Darstellungen, die ihren Ursprung nicht selten in griechischen und römischen Vorlagen hatten.
Der Körper der hier gezeigten Flasche wird von acht Graten in vier Bogenfelder geteilt. In jedem Feld ist eine unbekleidete Tänzerin dargestellt, die abwechselnd nach links und rechts gerichtet ist.
Gesicht und Oberkörper sind frontal gezeigt, die Hüfte ist eingedreht. Ihr linkes Standbein ist in Seitenansicht zu sehen und wird vom angewinkelten rechten Bein überschnitten. Die Arme sind zu den Seiten ausgestreckt und angewinkelt. In den Händen halten drei der Tänzerinnen je zwei Rasseln oder Krotalen (Rhythmusinstrumente), die
vierte Schellen oder kleine Kränze. Die das ovale Gesicht umgebenden welligen Haare werden von einem Diadem oder einer Binde gehalten. Die Enden der Binde oder Haarsträhnen fallen zu beiden Seiten bis auf die Schultern herab. Die Füße weisen Schmuckreife auf. Begleitet werden drei der jungen Frauen von je zwei Rebhühnern, die bei den Sassaniden sehr beliebt waren. Zur Tänzerin mit den Kränzen schaut links ein Rebhuhn auf, rechts schlägt ein Pfau ein Rad. In den Zwickeln zwischen den Bogenfeldern befindet sich jeweils eine frontal gezeigte Blüte. Der Wulstring am Hals wird von einer stilisierten Weinranke verziert.
Bei anderen Flaschen sind die Grate durch Säulen – teils mit Pflanzenranken – oder durch Pflanzenornamente ersetzt. Deutlich wird ein natürliches Ambiente in Szene gesetzt. Die Tänzerinnen ihrerseits folgen einem seit der griechischen Spätklassik geläufigen Motiv. In der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. hatte der Bildhauer Praxiteles die Statue der Aphrodite Anadyomene geschaffen. Überaus beliebt
existierten in der Antike zahlreiche Abwandlungen dieser sich die Haare auswringenden sog. schaumgeborenen Göttin mit den angewinkelt erhobenen Armen, dem s-förmigen Schwung des Körpers und dem markanten Stand- und Spielbeinmotiv.
Die Darstellung der Tänzerinnen dieser Flasche ist ein Beleg für den kulturellen Austausch zwischen den Sassaniden und den Kulturen des Mittelmeerraumes, der ungeachtet der militärischen Auseinandersetzungen stattfand. Wiederholt berichteten auch römische Autoren vom Reichtum und der höfischen Pracht der Sassaniden.
Als das Sassanidenreich erobert wurde, lebte seine Blütezeit in den Erzählungen aus "Tausend und einer Nacht" fort. Seine Traditionen beeinflussten die Eroberer, so wurde die höfische Kultur der
Sassaniden zum Vorbild des ritterlich-höfischen Lebens am Hof der Umayyaden in Damaskus und später der Abbasiden in Bagdad
Zusätzliche Angaben
- Objektart
- Sammlung
- Inventarnummer1990.62Eigentum der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen / St. 379
- Herstellung6./7. Jahrhundert,
- Iran
- Material
- Material/TechnikSilber, getrieben, gepunzt und vergoldet
- MaßeGesamt: Höhe: 16,3 cm; Durchmesser: 10 cm
- Kategorie
- Trink- und Schankgeschirr (Metall)
- Epoche/Stil
- Spätantike (sassanidisch)
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