Urne mit Gelagertem (Kampf von Eteokles und Polyneikes)

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  • Herstellung 3. Viertel 2. Jahrhundert v. Chr.
Die aus einer rechteckigen Kiste und einem Deckel bestehende Aschenurne wurde angeblich in Cortona gefunden. Die in der Toskana gelegene Stadt wurde wohl von den Etruskern gegründet und zählte zu den bedeutendsten etruskischen Städten. 310 v. Chr. wurde sie von den Römern erobert, mit denen sie bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. alliiert war. Noch bevor Hannibal im Zweiten Punischen Krieg 217 v. Chr. Cortona auf dem Weg zum Trasimenischen See durchzog, wurde die Urne geschaffen. Sie gehört aufgrund des bei hellenistischen Aschenurnen in Chiusi sehr beliebten mythologischen Kampfes zwischen Eteokles und Polyneikes zu einer Gruppe mit diesen.
Den Deckel der Urne ziert der füllige Verstorbene. Er ist in lagernder Haltung gezeigt, stützt sich mit dem linken Arm auf einem Kissen und hält in der rechten eine Omphalosschale, die für Trankspenden verwendet wurde. Sein linksläufig zu lesender Name findet sich in braun-violetter Schrift auf der oberen Leiste der Kiste: Vel Aulni Masu, Sohn der Titia genannt (etr. vel : aulni : masu : titialisa).
Auf der Kiste ist der Zweikampf der beiden Söhne des Ödipus dargestellt. Gerahmt wird das Geschehen von je einem Pilaster links und rechts sowie einem Eierstab und einer glatten Zierleiste oben. Im Zentrum steht links ein Krieger in bis zu den Knien reichender Tunika, einem Brustpanzer mit Fransen und einem schweren, nach hinten auswehenden Mantel. Auf dem Kopf ist ein korinthischer Helm mit Helmbusch bis über die Stirn zurückgeschoben. Der Krieger ist vorgebeugt und hat seinen rechten Arm vorgestreckt. Er greift nach seinem Gegner, der bereits auf sein rechtes Knie niedergesunken ist und sein linkes Bein nach hinten abstellt. Er ist ebenfalls einer Tunika und einem Brustpanzer bekleidet. Der Oberkörper ist dem Betrachter frontal zugewandt, der Kopf im Profil nach links. Während er mit der angewinkelt erhobenen einen gewaltigen Rundschild hält, greift die rechte nach dem unteren Gewandsaum seines Gegenübers.
Gerahmt wird die Zweikampfgruppe links und rechts von je einer weiblichen, ausschreitenden Gestalt. Beide haben jeweils den der Gruppe nächsten Arm ausgestreckt, im anderen halten sie eine Fackel. Sie sind mit bis zu den Knien reichenden Gewändern bekleidet, die unter der Brust und über der Hüfte gegürtet sind. Zwischen den Brüsten befindet sich ein geknotetes Manteltuch. Über den Schultern sind Reste von Flügeln sichtbar. Ihren Kopf haben sie dem Geschehen zugewendet. Es handelt sich um Todesdämoninnen (etr. Vanth), deren Darstellungen seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. vermehrt zu beobachten sind. Sie verweisen auf das Schicksal der beiden Kämpfer. Andere Urnen überliefern deren Namen: Eteokles und Polyneikes.
Ödipus hatte seine Söhne verflucht, sie mögen einander im Kampf töten. Beide sollten im Wechsel über Theben herrschen, doch Eteokles wollte seine Macht nicht abgeben. Im Kampf der ‚Sieben gegen Theben‘ töteten sie einander im Zweikampf.

Zusätzliche Angaben

Zitiervorschlag

Urne mit Gelagertem (Kampf von Eteokles und Polyneikes), Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Public Domain, Online: https://www.mkg-hamburg.de/object/dc00124513

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