Unbekannt

Junger Mann, sich die Brille aufsetzend

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  • Herstellung um 1850
„Jüngling sich die Brille aufsetzend“ heißt es lapidar auf der Inventarkarte zu dieser für ihre Zeit ungewöhnlichen Daguerreotypie. Bei ihrer Patentierung 1839 war die Daguerreotypie zwar das erste praxistaugliche fotografische Verfahren, ihre Herstellung aber aufwendig: Als Bildträger dienten versilberte Kupferplatten, die poliert, mit Jod lichtempfindlich gemacht und gleich nach der Aufnahme in hochgiftigem Quecksilberdampf entwickelt werden mussten. Jedes Bild war ein kostspieliges Unikat. Entsprechend repräsentativ und in feierlicher Pose ließ sich die gutbürgerliche Kundschaft in den Ateliers vor drapierten Vorhängen und gemalten Landschaftskulissen in Szene setzen. Der „Jüngling“ schert sich überraschend wenig um diese Konventionen, wenn er mit leicht angestrengtem Blick an der Kamera vorbeischaut und sein Gesicht mit den erhobenen Händen und der halb aufgesetzten Sehhilfe verdeckt. Bis zu einer halben Minute musste er für diese scheinbare Momentaufnahme vor der Kamera still halten. Ob diese Fotografie als Sinnbild erhellen sollte, wie das neue Medium die Blicke schärft, wird ein Geheimnis bleiben – weder Porträtierter noch Fotograf*in sind bekannt. Ihr Werk aber ist eine Einladung, im Detailreichtum dieser fotografischen Miniaturen auf Entdeckungsreise zu gehen. (Sven Schumacher)

Zusätzliche Angaben

Zitiervorschlag

Unbekannt, Junger Mann, sich die Brille aufsetzend, um 1850, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Public Domain, Online: https://www.mkg-hamburg.de/object/dc00034570

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