Pokal (Kraniche)
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- Production Ende 2. / 3. Jahrhundert n. Chr.
Der schlanke Pokal mit zylindrischem, sich unten verjüngendem Gefäßkörper, abgeflachtem Kugelnodus und konischem Fuß ist aus zahlreichen Fragmenten zusammengesetzt. Kleinere Fehlstellen sind ergänzt.
Besonders besticht sein Dekor: Auf das dünnwandige, hellrosa getönte, transparente Glas sind Vögel in opakem Glas appliziert. In vier gegeneinander versetzten Reihen schreiten jeweils drei Vögel mit langem, gebogenen Hals und Schnabel nach rechts aus, bei denen es sich aufgrund ihrer Erscheinungsform um Reiher oder Kraniche handeln dürfte. Ihr Gefieder ist durch mit einem Stempel erzeugte Riefel angegeben. Die Vögel der oberen und unteren Reihe sind türkisblau, der zweiten und dritten Reihe weiß oben und gelb unten. Den unteren Abschluss bilden aufgelegte türkisblaue Schlangenfäden. Die Farbigkeit und Lichtundurchlässigkeit der Vögel steht in deutlichem Kontrast zur Transparenz und Leichtigkeit des Gefäßkörpers, dessen Farbe ungewöhnlich ist.
Obwohl qualitätvolle Produktionen von Schlangenfadengläsern insbesondere aus dem römischen Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) bekannt und dort typisch sind, dürfte dieser Pokal – aufgrund seines Typus und seines Dekors – eher einer östlichen, wohl syrischen Produktion zuzuordnen sein, die weit über die Spätantike hinaus eine bedeutende Region der Glasproduktion bleiben sollte. Früheste Beispiele für Schlangenfadengläser im Westen des Imperium Romanum datieren in die 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr., so dass eine ähnliche Datierung auch für dieses Gefäß angenommen werden kann.
Reiher oder Kraniche in Marschlandschaften sind ein in der römischen Kunst seit der frühen Kaiserzeit geläufiges Motiv. So finden sie sich auf silbernen Prunkbechern aus dem Haus des Menander in Pompeji, auf einem arretinischen Terra Sigillata-Kelch, Tonlampen oder auch Mosaiken, u. a. in Italica (Spanien). Eine Wandmalerei aus dem Haus der Epigramme in Pompeji zeigt vor schwarzem Grund einen Reiher, der vor einer aufgerichteten, den Schild gespreizten Kobra steht. Die Darstellungen von Reihern oder Kranichen können einerseits mit der wachsenden Beliebtheit von Landschafts- und Naturbildern in dieser Zeit verbunden werden, andererseits wurde vorgeschlagen, den Kampf von Wasservögeln und Schlangen als apotropäisches Symbol zu verstehen. Zugleich waren die Vögel Sinnbild der Wachsamkeit und Klugheit.
Der aus den Winterquartieren zurückkehrende Zugvogel besaß bei den Griechen einen Bezug zur Sonne und zum Licht sowie zum Frühling und zur Fruchtbarkeit. Er wurde daher mit Apollon, Demeter und Hermes verbunden. Im Mythos werden bereits von Homer die menschenfressenden Kraniche erwähnt, die in die Nilsümpfe zogen, um das Volk der Pygmäen zu jagen. Außerdem berichtet er von einem "Reigen der Ariadne", einen Geranos genannten Tanz, den Theseus auf Delos aufführen ließ und der wohl an die Balztänze der Kraniche erinnerte.
Besonders besticht sein Dekor: Auf das dünnwandige, hellrosa getönte, transparente Glas sind Vögel in opakem Glas appliziert. In vier gegeneinander versetzten Reihen schreiten jeweils drei Vögel mit langem, gebogenen Hals und Schnabel nach rechts aus, bei denen es sich aufgrund ihrer Erscheinungsform um Reiher oder Kraniche handeln dürfte. Ihr Gefieder ist durch mit einem Stempel erzeugte Riefel angegeben. Die Vögel der oberen und unteren Reihe sind türkisblau, der zweiten und dritten Reihe weiß oben und gelb unten. Den unteren Abschluss bilden aufgelegte türkisblaue Schlangenfäden. Die Farbigkeit und Lichtundurchlässigkeit der Vögel steht in deutlichem Kontrast zur Transparenz und Leichtigkeit des Gefäßkörpers, dessen Farbe ungewöhnlich ist.
Obwohl qualitätvolle Produktionen von Schlangenfadengläsern insbesondere aus dem römischen Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) bekannt und dort typisch sind, dürfte dieser Pokal – aufgrund seines Typus und seines Dekors – eher einer östlichen, wohl syrischen Produktion zuzuordnen sein, die weit über die Spätantike hinaus eine bedeutende Region der Glasproduktion bleiben sollte. Früheste Beispiele für Schlangenfadengläser im Westen des Imperium Romanum datieren in die 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr., so dass eine ähnliche Datierung auch für dieses Gefäß angenommen werden kann.
Reiher oder Kraniche in Marschlandschaften sind ein in der römischen Kunst seit der frühen Kaiserzeit geläufiges Motiv. So finden sie sich auf silbernen Prunkbechern aus dem Haus des Menander in Pompeji, auf einem arretinischen Terra Sigillata-Kelch, Tonlampen oder auch Mosaiken, u. a. in Italica (Spanien). Eine Wandmalerei aus dem Haus der Epigramme in Pompeji zeigt vor schwarzem Grund einen Reiher, der vor einer aufgerichteten, den Schild gespreizten Kobra steht. Die Darstellungen von Reihern oder Kranichen können einerseits mit der wachsenden Beliebtheit von Landschafts- und Naturbildern in dieser Zeit verbunden werden, andererseits wurde vorgeschlagen, den Kampf von Wasservögeln und Schlangen als apotropäisches Symbol zu verstehen. Zugleich waren die Vögel Sinnbild der Wachsamkeit und Klugheit.
Der aus den Winterquartieren zurückkehrende Zugvogel besaß bei den Griechen einen Bezug zur Sonne und zum Licht sowie zum Frühling und zur Fruchtbarkeit. Er wurde daher mit Apollon, Demeter und Hermes verbunden. Im Mythos werden bereits von Homer die menschenfressenden Kraniche erwähnt, die in die Nilsümpfe zogen, um das Volk der Pygmäen zu jagen. Außerdem berichtet er von einem "Reigen der Ariadne", einen Geranos genannten Tanz, den Theseus auf Delos aufführen ließ und der wohl an die Balztänze der Kraniche erinnerte.
Additional data
- Object type
- Collection
- Inventory number1972.35Erworben mit Mitteln der Campe'schen Historischen Kunststiftung
- ProductionEnde 2. / 3. Jahrhundert n. Chr.,
- Syrien
- Material
- Technique
- Material/TechniqueGlas
- DimensionsGesamt: Höhe: 17,4 cm; Durchmesser: 5,2 cm; Bodendurchmesser: 5,3 cm
- Category
Citation recommendation
Pokal (Kraniche), Museum für Kunst and Gewerbe Hamburg, Online: https://www.mkg-hamburg.de/en/object/dc00126598
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