Ünal, Mehmet

Ohne Titel

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  • Production 1982
Die Collage zeigt in drei Feldern einen historischen Ablauf: die Reproduktion der Aufnahme eines elektrischen Stacheldrahtzauns im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin mit der Unterschrift „40’er Jahre“, den Eingang eines Heims für Arbeitsmigrant*innen in Braunschweig mit dem prominent platzierten Schild „Gastarbeiterlager“, darunter die Zeile „60’er Jahre“, und ein drittes Feld mit einem Fragzeichen für die Gegenwart oder Zukunft. In der Rahmung und dem Untereinandersetzen der gefundenen Fotografien erinnert das schmale Hochformat an den Ablauf eines Filmstreifens. Vor dem Hintergrund des aufkeimenden Neofaschismus findet Mehmet Ünal ein drastisches Bild für die vom ihm empfundenen Parallelen zwischen dem Anwerbesystem der Bundesrepublik und dem System der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus.
Mehmet Ünal bezieht sich in seinen Collagen auf den Dadaisten John Heartfield, den er in einigen Arbeiten explizit zitiert und dessen Technik der politischen Agitation er in der Kombination von Wort und Bild weiterführt. Ünal lässt die von anderen geprägten Wörter für sich sprechen, und stellt die verletzende Terminologie von „Gastarbeiterlager“ durch die visuelle Gegenüberstellung mit dem Konzentrationslager heraus. In der Gegenüberstellung der Bilder und Begrifflichkeiten verweist er aber auch auf die Kontinuität in der Unterbringung von Arbeitsmigrant*innen in ehemaligen Zwangsarbeiterlagern. In scheinbarer Geschichtsvergessenheit werden rassistische Praktiken der Ausbeutung fortgesetzt. Auf ähnliche Weise deckt Ünal den Rassismus in der Sprache in seiner Collage „Rausländer“ auf, in der er die Begrifflichkeiten „Fremder“ – „Fremdarbeiter“ – „Gastarbeiter“ – „Rausländer“ nebeneinanderstellt. (Esther Ruelfs)

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Citation recommendation

Mehmet Ünal, Ohne Titel , Museum für Kunst and Gewerbe Hamburg, © Mehmet Ünal, Online: https://www.mkg-hamburg.de/en/object/mkg-e00236198

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