June 2021

Tuesday, 01 June 2021

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Freiraum

10-18 Uhr

Zeitkapsel Lagerhaus G @ Freiraum

Offenes Labor zur Zukunft und Geschichte eines Hamburger Hafenspeichers | Freiraum

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Offenes Labor zur Zukunft und Geschichte eines Hamburger Hafenspeichers | Freiraum

Das Lagerhaus G, ein 24.000 qm großer Speicher für Kolonialwaren wie Kaffee, Tabak und Tee, wurde ab 1903 von der Hamburger Freihafen-Lagerhaus Gesellschaft am Saalehafen auf dem Kleinen Grasbrook errichtet. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte neben anderen die Firma Reemtsma das Lagerhaus G als Rohtabaklager. In den Jahren 1944/45 war es als Außenlager des KZ Neuengamme Unterbringungsort für mehrere tausend Häftlinge, die bei der Trümmerbeseitigung kriegswichtiger Industriebetriebe und Infrastruktur eingesetzt wurden. Kaum ein Ort im Stadtgebiet ist so geeignet, an das Ausmaß der NS-Zwangsarbeit im Hafen in all seinen Facetten, vom Einsatz der KZ-Häftlinge über den der italienischen Militärinternierten bis zu anderen Zwangsarbeiter*innen zu erinnern und damit eine Leerstelle in der Hamburger Erinnerungskultur zu tilgen.

Auf dem Kleinen Grasbrook soll ab 2024 der nächste Teil der Hafencity gebaut werden, und somit rückt das Lagerhaus G aus dem Off eines aufgegebenen Hafenteils in den Fokus aktueller Stadtplanung.

Die Initiative Dessauer Ufer (IDU) setzt sich seit 2017 für den Erhalt und die Sanierung des Lagerhaus G sowie für die Einrichtung eines Lern- und Gedenkortes im Gebäude ein. Sie weist deutlich auf die historische Verantwortung der Stadt Hamburg für das Haus hin. Die IDU besteht aus einem Kreis von Historiker*innen, Künstler*innen, Bildungsarbeiter*innen, Architekt*innen, Stadtteilaktiven, Antifaschist*innen und All-rounder*innen. Die IDU forscht intensiv zum Lagerhaus G, führt vor Ort Gedenkveranstaltungen und Rundgänge durch und entwickelt eigene Vorschläge für seine künftige Nutzung.

Im Freiraum des MK&G möchte die IDU die Ergebnisse ihrer Arbeit durch verschiedene mediale Aufbereitungen, wie etwa Filme und Audiobeiträge, Texte, Fotos und Pläne, präsentieren und in partizipativen Formaten zur Diskussion stellen. Ein detailliertes Schnittmodell soll dabei die Ausmaße des Lagerhaus G aufzeigen sowie einen Eindruck der Innenansicht geben. Ebenso sollen die historischen Gleichzeitigkeiten des Lagerhaus G und des MK&G thematisiert werden.

Die IDU möchte ins Gespräch kommen über eine Erinnerungskultur und Stadtplanung von unten und zur Diskussion stellen: Wie kann beides für das Lagerhaus G neu gedacht und umgesetzt werden? Die IDU lädt dazu ein, sich an Workshops zu beteiligen, Vortragsveranstaltungen und Exkursionen zu besuchen und sich über einen Ort zu informieren, an dem nur wenige Kilometer vom MK&G entfernt einst KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter interniert waren; einen Ort, der die Jahrzehnte nach Kriegsende fast unverändert überdauert hat, ohne je systematisch erforscht zu werden und der mittlerweile vom Verfall bedroht ist.

Die IDU tritt dafür ein, das Lagerhaus G für die Stadtgesellschaft zu öffnen und zu einem Ort der Begegnung zu machen. Das Haus hat mehr als eine Geschichte zu erzählen, über die Stadt, über den Hafen. Die Initiative ruft dazu auf, Visionen und Konzepte zu entwickeln, die das Haus mit Leben füllen und zugleich seine Vergangenheit offenlegen und erfahrbar machen.

freiraum@mkg-hamburg.de

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