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virtuos

In der Musikwissenschaft beschreibt der aus dem Italienischen entlehnte Begriff „virtuos“ die perfektionierte und meisterhafte Ausführung der technischen Fähigkeiten eines Musizierenden. Vom lateinischen „virtus“ (Tugend, Tüchtigkeit, Tapferkeit) abgeleitet, findet diese Beschreibung mittlerweile eine vielfältige Verwendung und dient der Charakterisierung besonderer Eigenschaften eines Objektes. Vor allem die vollendete und souveräne Beherrschung im Umgang mit dem Material, der Form und der Gestaltung werden als „virtuos“ angesehen. Solch hohe Anforderungen an die technischen und künstlerischen Fertigkeiten des Kunstschaffenden werden deutlich an einer Standartenbekrönung der Safawiden-Dynastie, deren Scheiben ein kunstvoll durchbrochener Dekor aus Schriftbändern und Blütenranken ziert. Virtuos ist auch die Umsetzung eines Widderkopf-Kantharos der Zeit um 460 v.Chr. Der Töpfer Sotades formte den Kopf äußerst feingliedrig und naturalistisch bis zur Ausgestaltung einzelner Haare. Das St. Georgsreliquiar aus Elbing lässt einen Meister seiner Kunst erkennen. Er hat nicht nur eine bloße Nachahmung geschaffen, sondern durch verschiedene Materialien und filigrane Details im Sinne einer vorgegebenen Ikonografie eine eigene Schöpfung hervorgebracht. Die Schmuckarbeiten von René Lalique zeichnen sich durch Naturmotive, schwingende, sich ins Florale gesteigerte Formen aus. Auch in der Verwendung unterschiedlicher Materialien und deren Kombination äußert sich die Virtuosität dieses Künstlers.

Frank Hildebrandt