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innovativ

"Design muss innovativ sein!" forderte Dieter Rams (*1932), der mit der Entwicklung einer neuen Generation von Phonogeräten für die Firma Braun längst Designgeschichte geschrieben hat. Damit benennt er einen wesentlichen Aspekt von Design, nämlich den Zusammenhang von Design und Fortschritt, der spätestens seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle spielt. Innovatives Design im Sinne von Fortschritt bedeutet zum einen Verbesserung der Produktionsmethoden. Eine Voraussetzung hierfür ist die Vereinfachung des Entwurfs wie im Falle der berühmten Sitzmaschine des Wiener Jugendstilkünstlers Josef Hoffmann. Zum anderen wird Fortschritt im Design häufig gleichgesetzt mit neuer Technik und neuer Funktionalität. Dies trifft auf die Piccolotrompete hoch-B von Wilhelm Leistner ebenso zu wie auf den Küchenbaum von Stefan Wewerka. Wobei der Küchenbaum auch deswegen innovativ ist, weil er das Thema Küche völlig ungewöhnlich interpretiert. Innovationen bringen der Gesellschaft in der Regel einen positiven Nutzen. Zu den wohl wichtigsten technischen Neuerungen der Neuzeit gehört die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert: Die Schedel’sche Weltchronik, die 1493 erschien, eröffnete dem Lesepublikum völlig neue Wissenshorizonte. Innovativ stammt von dem lateinischen Verb "innovare" und bedeutet: etwas neues Schaffen. Um etwas Neues zu schaffen, braucht es aber auch Kreativität. In den so genannten "Kunstvollen Wissenschaften" des Barockzeitalters und der Aufklärung treffen Rationalität der Mechanik und Emotionalität des Erfindergeistes aufeinander. Zum raffinierten Zeitvertreib oder vernünftiger Kurzweil erdachten findige Persönlichkeiten kuriose Apparaturen, zu denen auch der Trinkspielautomat mit Neptun gehört.

Claudia Banz