Objekte 115
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alltäglich

Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs können aus unterschiedlichsten Gründen zu interessanten, bedeutenden, sogar einzigartigen Museumsobjekten werden. Vertraut und unspektakulär war für die Hamburger Mitarbeiter des Magazins „Der Spiegel“ der tägliche Besuch in ihrer aus dem Jahr 1969 stammenden Kantine. Weil der Spiegel Verlag einen Neubau bezog, wurde die legendäre Inneneinrichtung, entworfen vom dänischen Designer Verner Panton, im Oktober 2011 dem MKG übergeben, wo sie in Form eines Period Room dauerhaft ausgestellt wird. Die Spiegel-Kantine repräsentiert als einzigartiges Zeitdokument den Geist der 1970er Jahre. Hervorragendes Design, meisterliche Handwerkskunst oder auch technische Innovation können einen Alltagsgegenstand für die Sammlung des MKG ebenso interessant machen, wie Alter oder Seltenheit. Die Bezeichnungen Angewandte Kunst und Gebrauchskunst weisen auf die Dualität von Werken hin, die sowohl in der Kunst als auch in der Welt der benutzbaren Dinge beheimatet sind. Das kann auf ein 500 Jahre altes Trinkglas ebenso zutreffen, wie auf ein Musikinstrument des 19. Jahrhunderts oder aktuelles Möbeldesign. Objekte des alltäglichen Gebrauchs funktional und ansprechend zugleich zu gestalten, war ein besonderes Anliegen in der Epoche des Jugendstil um 1900. Bekannte Künstler, Grafiker und Fotografen widmen sich in ihren bildnerischen Arbeiten häufig alltäglichen Situationen, Gegenständen oder Szenen, die sie in ihrem jeweiligen Medium künstlerisch umsetzen, wie es die Ablichtung von Laborgläsern des Hamburger Fotografen Albert Renger-Patzsch eindrucksvoll zeigt. Alltägliches muss nicht langweilig, traditionell oder trivial sein, sondern ermöglicht neue Zugänge zu anderen Lebenswelten.

Angelika Riley