Vorschau

8. Mai 2020 bis 25. April 2021
Syria 2087
Fossilien der Zukunft

Was wäre, wenn die syrische Bevölkerung auf den Mars auswandern würde? Welche Dinge würde sie mit- nehmen? Wie erinnert sie eine Kultur, die ihren Ort, ihre Objekte und ihre Alltagsrituale durch Zerstörung und Flucht verloren hat? Die polnisch-syrische Designerin Anna Banout (*1993) nimmt den Weltraumflug des ersten syrischen Kosmonauten Mohamed Ahmed Faris im Jahr 1987 zum Ausgangspunkt für ein Experiment: Sie stellt sich vor, wie 100 Jahre später die Tradition und Kultur Syriens auf den Planeten Mars trifft, auf dem es tatsäch- lich auch ein Areal namens Syria Planum gibt, das Banout schon lange fasziniert. In der Ausstellung Syria 2087 entwirft sie eine Art „Memory Box“ der Zukunft mit Erinnerungsobjekten, in denen die kulturelle Identität Syriens weiterlebt und zugleich die neue Lebenswelt im All und auf dem Mars als jüngste Erfahrung der Gemeinschaft eingeschrieben ist. Eigens für die Ausstellung gestaltet Anna Banout Gegenstände, die historische Tiefenschichten, Erzählungen und Praktiken der jüngeren syrischen Kultur in sich tragen und den Planeten durch mythische und fiktionale Motive in die Gestaltung mit einbeziehen. Wie die Elemente eines Sets lassen sie sich beliebig miteinander kombinieren, so dass die Erinnerungskultur mit diesen wenigen Objekten, als eine Art „Kulturerbe zum Mitnehmen“, gelebt und weitergegeben werden kann. Sie kombiniert diese Gegenstände mit Exponaten aus der Sammlung des MKG, die der syrischen Kultur entstammen. In Syria 2087 entwirft Anna Banout mit den Mitteln des spekulativen Designs eine Möglichkeit, die eigene Kultur mit den identitäts- prägenden Erfahrungen des Neuanfangs zu verbinden.

Die Ausstellung wird gefördert vom Polnischen Institut Berlin.


Anna Banout (*1993), Objektkosmos Syria 2087, © Kinga Budnik/Anna Banout