Vorschau

28. Februar bis 20. September 2020
Das Plakat
200 Jahre Kunst und Geschichte

Mit fast 400 Exponaten von rund 200 Künstler*innen und Designer*innen bietet die Ausstellung Das Plakat im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) einen groß angelegten und repräsentativen Überblick über die Geschichte des Plakates von den Anfängen im frühen 19. Jahrhundert bis heute. Im Plakat treffen Kunst und Geschichte, Design und Werbung aufeinander. Plakate begleiten politische Ereignisse genauso wie die Film- und die Theatergeschichte. Sie dokumentieren die gesellschaftliche Entwicklung und spiegeln nicht zuletzt die Kunst und ihre wechselnden Stile. Porträts von Politiker*innen findet man auf Wahlplakaten, die von Musiker*innen auf Konzertplakaten, die Industrie wirbt für ihre neuen Produkte, die Tourismusbranche für die schönsten Reiseziele und selbst für Websites wird mittlerweile mit Plakaten geworben. Es gibt keine zweite Kunstgattung, die bis heute unseren Alltag in einer solchen Breite begleitet. Der bedeutende polnische Plakatkünstler Jan Lenica sagte 1966: „Das Plakat hat zweifellos eine Funktion, es hat eine Aufgabe, und dieser Pflicht muss es gerecht werden. Aber seine Bedeutung liegt nicht in dem, was es zu vermitteln hat, sondern darin, was es selbst zu sagen hat.“ – Was es selbst zu sagen hat: Die Botschaft guter Plakate ist mehrschichtig, sie geht über die bloße Werbung hinaus und macht Aussagen über die Zeit, über die Gestaltung, über Geschichte, Mode oder Geschmack. Dieser ‚Mehrwert‘ ist es, der aus einem Plakat ein Kunstwerk machen kann.

Die Höhepunkte der Plakatgeschichte liegen im Jugendstil um 1900, im Art Déco und der Avantgarde der 1920er Jahre und erneut in den 1960er Jahren. Immer wenn sich, wie im Jugendstil, in der Bauhaus-Zeit oder zur Zeit der Pop Art, Kunst und Alltag besonders nahekommen, verschwimmen die Grenzen zwischen angewandter und freier Kunst. Es können Plakate entstehen, die bis heute als künstlerische Höhepunkte ihrer Zeit gelten. Dazu gehören die berühmten Lithografien von Toulouse-Lautrec oder Alfons Mucha genauso wie dreißig Jahre später die Filmplakate der Brüder Stenberg in Moskau oder die Kompositionen von Cassandre in Paris. Die Ausstellung stellt die führenden Plakatkünstler*innen, von denen die meisten in Deutschland viel zu wenig bekannt sind, mit typischen und wichtigen Werken vor.


Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901), Ambassadeurs – Aristide Bruant dans son cabaret (Detail), 1892, Farblithografie, 138 x 96,5 cm, MKG, Public Domain