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AKTUELLE SONDERAUSSTELLUNG


18. Sep. 2009 - 04. Apr. 2010

Kagoshi - Japanische Meister der Bambusflechtkunst

100 Arbeiten preisgekrönter Korbflechtmeister aus den 1880er und 1890er Jahren

Feinste Flechtkunst aus Jahrhunderte langer Tradition – künstlerisch hoch anspruchsvoll und handwerklich meisterhaft sind die Körbe der kagoshi, einem neuen Typ japanischer Meister der Bambusflechtkunst. Das Museum für Kunst und Gewerbe zeigt anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Hamburg – Osaka über 100 Korbflechtarbeiten aus Bambus mit künstlerischem Anspruch aus den 1880er und 1890er Jahren aus seiner kostbaren Sammlung, die der Gründungsdirektor Justus Brinckmann zwischen 1885 und 1898 erwarb. Als einziger Museumsdirektor in Europa erkannte er auf der Weltausstellung 1873 in Wien erstmals die künstlerische Bedeutung der Korbflechtarbeiten. Nach der letzten großen Ausstellung japanischer Bambusflechtkunst im Asian Art Museum of San Francisco, USA, 2007 richtet nun das Museum für Kunst und Gewerbe erstmals in Europa den Blick auf eine fast vergessene und erst seit wenigen Jahren in den USA und in Japan wieder entdeckten japanischen Kunst. Im Mittelpunkt stehen 50 handsignierte Arbeiten von Hayakawa Shôkosai I. (1815 – 1897), der als Wegbereiter der modernen Bambusflechtkunst in Japan gilt. Der mit Preisen geehrte Korbflechtmeister war der führende kagoshi der ersten Generation, die, anders als ihre Vorgänger, jede ihrer Arbeiten signierten. Die Kunst von Shôkosai I. zeichnet sich aus durch komplexe Techniken, hoch verfeinerte Entwürfe und eine bis ins kleinste Detail ausgefeilte Gestaltung und Präzision.

„Shôkosai kore wo tsukuru“ (dt. „Shôkosai hat dies gemacht“) – mit diesem Schriftzug signierte Shôkosai I. als erster kagoshi seine Werke. Mit dem Namenszug, der mit kräftigen Zeichen auf dem stabilisierenden Bambuskeil (haritake) des Korbbodens eingekerbt wurde, wollte Shôkosai die Wertigkeit der Körbe als Kunstwerke hervorheben. Das Museum für Kunst und Gewerbe besitzt mit 60 Körben von Shôkosai I. die weltweit größte noch erhaltene historische Sammlung des frühen Flechtmeisters aus Osaka. Die fragilen Körbe und Objekte wurden festlich genutzt für die Präsentation von Blumengestecken (ikebana) oder Früchten, als Behälter für Holzkohle im Rahmen von Teezeremonien oder als Schmuck in den Räumen von Gelehrten. Schlanke und schwellende Formen, beinahe transparente Objekte und Körbe, die Tierformen zum Vorbild haben, entstanden durch unendliche Variationen des Bambusflechtens. Keines dieser zarten Objekte gleicht dem anderen. Für Justus Brinckmann war Japan „das klassische Land“ der hohen Handwerkskunst im Korbflechten. Die von ihm erworbene Korbsammlung sollte deutschen Kunsthandwerkern zum Vorbild dienen und diente tatsächlich deutschen Korbflechtern als Inspirationsquelle.

Shôkosai lebte in einer von politischer Unsicherheit und gesellschaftlichem Wandel geprägten Zeit. Mit dem Sturz der Shôgunatsregierung 1886 – auch Meiji-Restauration genannt – folgte eine Epoche der rapiden Modernisierung auf den Gebieten der Technik und der Staatsführung nach westlichem Vorbild. Mit der Abschaffung des Samurai-Standes zu Beginn der Meiji-Zeit verloren zahlreiche Kunsthandwerker ihre feudalen Auftraggeber. Durch das ausländische Interesse an japanischer Kultur wurde das exportorientierte Kunsthandwerk jedoch bald von der Regierung gefördert und als lukrativer Wirtschaftszweig eingesetzt. Auf der Weltausstellung in Wien 1873 war das japanische Kunsthandwerk neben anderem auch mit Flechtarbeiten repräsentiert.

Der Lebensweg von Shôkosai I. ist beispielhaft für die Durchmischung der Gesellschaftsschichten im Japan des 19. Jahrhunderts. Er gab die Zugehörigkeit zum Feudalstand auf, um seine selbst erwählten Ziele zu verfolgen. Während er einerseits die alten konfuzianischen Tugenden verkörperte und sich mit den historischen Errungenschaften der japanischen Kultur identifizierte, stand er andererseits im Einklang mit dem neuen, vorwärtsgerichteten Staatsgeist und war bereit, sich mit seinen Werken dem Wettbewerb zu stellen. Unzweifelhaft ist, dass Shôkosai I. durch sein Selbstbewusstsein und sein kompromissloses Streben nach Vollkommenheit in Technik, Verarbeitung und Gestaltung den Weg ebnete für den Erfolg des Korbflechtens als Kunsthandwerk im Japan des 20. Jahrhundert.

Es erscheint ein Katalog mit ca. 152 Seiten und über 50 meist farbigen Abbildungen, herausgegeben vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, verfasst von Nora von Achenbach, mit Beiträgen von Sybille Girmond und Irene Piepenbrock.

 

 
 
 
 

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