Spiegelsaal

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Martin Haller (1835-1925)1909Hamburg

Der Spiegelsaal aus dem ehemaligen Palais Budge in Harvestehude wurde 1987 im Nordhof des MKG wiederaufgebaut. Um 1900 hatten Henry (1840-1928) und Emma Budge (1852-1937) die 1884 von Martin Haller erbaute Villa erworben und ließen sie von dem Hamburger Architekten zu einem Palais ausbauen, an das der Spiegelsaal 1909 angefügt wurde. Der Festsaal wurde für Bälle, Konzerte und Wohltätigkeitsveranstaltungen genutzt. Der Pavillon öffnete sich zum Garten durch drei verglaste Flügeltüren. Die rückwärtigen Türen waren verspiegelt, um den Raum optisch zu erweitern. Auf diese bauliche Besonderheit, die sich an der französischen Schlossarchitektur des 17. Jahrhunderts orientierte, gründet sich die Bezeichnung Spiegelsaal. Die Wand- und Deckendekorationen sind überwiegend im Stil des Klassizismus und des Rokoko gestaltet. Die floralen Dekorationselemente und die allegorischen Darstellungen von Jahreszeiten und Musen bezogen sich auf die Gartenlandschaft vor dem Pavillon. Der für den Historismus charakteristische Stilpluralismus erfuhr seinen besonderen Reiz durch die klassische Strenge der Architektur in Verbindung mit der bisweilen spielerisch anmutenden Innenraumdekoration. Die Geschichte des Spiegelsaals ist nicht nur die einer kulturhistorisch bedeutsamen und dankenswerten Rettung eines Stücks großbürgerlicher Wohnkultur, sondern sie verweist, stellvertretend für viele Kulturgüter und Kunstgegenstände, auch auf die Lage der Juden im Nationalsozialismus. Auf das Palais Budge und den Spiegelsaal wurden seitens der Erben Wiedergutmachungsansprüche geltend gemacht, worauf es nach Verhandlungen mit der Stadt Hamburg zu einem Vergleich kam.