Löwenaquamanile

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unbekannt1200Norddeutschland (Lübeck?)BronzeH 20 cm

Die Form dieses Gießgefäßes ist einzigartig. Kraftvoll tritt der sitzende Löwe zwei gegen seine Brust züngelnde Drachen nieder, während ihm ein dritter in die Mähne beißt. Anstelle der üblichen Klappe besitzt der Löwe eine Öffnung im Ohr zum Einfüllen des Wassers. Beim Ausgießen fließt es nicht aus dem Maul, sondern aus den Nüstern. Der Drache auf seinem Rücken diente als Griff. Unter den mittelalterlichen Bronzegeräten bilden Aquamanilen in Gestalt von Tieren, Fabelwesen und Menschen einen künstlerischen Höhepunkt. Angeregt durch orientalische Vorbilder, entstanden sie seit dem 12. Jahrhundert in größerer Zahl, insbesondere in Zentren des Bronzegusses wie Niedersachsen oder dem Rhein-Maas-Gebiet. Sie dienten zur Handwaschung während der Mahlzeit oder wurden bei  liturgischen Handlungen eingesetzt. Als Tafelgerät sind sie die ersten bedeutsamen Zeugnisse nachantiker Tischkultur in Europa.