Provenienzforschung

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg unterstützt alle Bemühungen nach Aufklärung der Vergangenheit im Sinne des Washingtoner Abkommens von 1998. Eine Wiedergutmachung oder Rückgabe von Kulturgütern, deren Herkunft zweifelsfrei dem Tatbestand der Beutekunst oder Raubkunst zuzuordnen sind, steht bei eindeutiger Beweislage außer Frage. Dies gilt in gleichem Maße für Erwerbungen aus jüdischem Besitz, deren Umstände des Verkaufs als verfolgungsbedingt im Nationalsozialismus anzusehen sind. Seit Mai 2010 betreibt das MKG aktiv Provenienzforschung. Die personelle Ausstattung wird gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg.

Zurzeit gibt das MKG mit Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG Einblick in seine Aktivitäten zur Provenienzforschung. Die Ausstellung versteht sich als Momentaufnahme in einem Prozess kontinuierlicher Aufarbeitung und zeichnet die vielfältigen Biografien der recherchierten Exponate nach. Dazu gehören Kunstgegenstände mit gesicherten Provenienznachweisen wie auch solche, deren Herkunftsgeschichten ungeklärt sind oder für die noch Forschungsbedarf besteht.

Im Februar 2016 lud das MKG in Kooperation mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius Wissenschaftler aus Museen und historischen Forschungseinrichtungen sowie Vertreter jüdischer Institutionen zum Symposium Raubkunst? Silber aus ehemals jüdischem Besitz – wie  gehen Museen damit um? ein. Auch das MKG verwahrt seit 1960 rund 3.000 Silberobjekte aus der einstigen Beschlagnahme. Hamburg einigte sich mit „Jewish Trust Corporation“ auf die Zahlung eines Ausgleichsbetrags für das verbliebene Silber, das nicht zurückgegeben werden konnte. Offen ist jedoch die Frage, wie die museale Arbeit mit einem Kulturgut aussehen kann, das so unmittelbar mit dem Holocaust verbunden ist und die Museen zugleich in die Pflicht nimmt, es jederzeit zurückzugeben, wenn Ansprüche geltend gemacht werden. Grundsätzlich liege es, so ein zentrales Fazit der Gespräche, in der moralischen Verantwortung der betreffenden Museen, immer wieder für das Thema zu sensibilisieren und den Umgang mit den Objekten transparent zu machen. Für eine fundierte Forschung seien die Zugänglichkeit relevanter Dokumente, ein kontinuierlicher Informationsaustausch und der interdisziplinäre Dialog wichtige Voraussetzungen. Mehr Informationen zum Symposium erhalten Sie hier.