MKG erhält neuen Ausstellungssaal

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) hat die Wiederherstellung eines Ausstellungssaals in der zentralen Mittelachse des denkmalgeschützten Gebäudes am Steintorplatz abgeschlossen. Die 330 Quadratmeter große „Turnhalle“ empfängt die Besucher unmittelbar hinter dem Eingangsfoyer, öffnet die zentrale Blickachse durch das Gebäude und erlaubt den Zugang zu einem der Innenhöfe über die Terrasse zum Spiegelsaal. Vom 5. bis 31. Juli können die Besucher den lichtdurchfluteten Ausstellungssaal mit seinen 12 deckenhohen Fenstern, der historischen Bogenarchitektur und der originalen Holzbalkendecke als Raum erleben. Mit der Ausstellung sports | no sports über die Wechselwirkung von Mode und Sportbekleidung wird das MKG den Saal ab dem 2. September 2016 erstmals bespielen. Historische Fotografien dokumentieren einen imposanten Raum, der 1910 als zentrale Ausstellungsfläche diente. In den 1950er Jahren wurde der rund sechs Meter hohe Raum durch eine Zwischendecke geteilt. Mit einer großzügigen Spende von Christl und Dr. Michael Otto in Höhe von 500.000 Euro konnte diese Baumaßnahme rückgängig gemacht und der beeindruckende Saal wiedergewonnen werden. Der Bund beteiligte sich mit 300.000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm V. Die Stiftung Denkmalpflege Hamburg stellte 200.000 Euro zur Verfügung. Die Architekten Kleffel Papay Warncke entfernten die Zwischendecke und rekonstruierten die Raumstruktur mit großer Expertise. Historisches Vorbild war der Ausstellungssaal, den Museumsgründer Justus Brinckmann bereits 1910 für die Präsentation seiner schnell wachsenden Sammlung auf dem Grundriss der 1877 dort eingerichteten Schulturnhalle umbauen ließ.

Das 1877 errichtete Gebäude am Steintorplatz sollte als komplexe Bildungseinrichtung die schulische Lehre und praktische Anschauung herausragender Kunstwerke miteinander verbinden. Dieses Konzept ist programmatisch für die Gründungidee deutscher Kunstgewerbemuseen im ausgehenden 19. Jahrhundert und prägt bis heute den Charakter des MKG als offenes, besucherorientiertes Museum. Der neue Ausstellungssaal, den das MKG mit Bezug auf seine Geschichte „Turnhalle“ nennt, erinnert im Herzen des Hauses an den Gedanken, der Öffentlichkeit ein lebendiger Ort des Lernens und Erlebens zu sein. Das MKG hat das Gebäude in den vergangenen Jahren umfassend modernisiert und neue Themen und Projekte entwickelt. Mit ihrer Spende schließen sich Dr. Michael und Christl Otto dem Reigen der Saalpaten und Förderer an, die dem MKG eine zeitgemäße Neueinrichtung der Sammlungsräume ermöglicht haben.

Die historische Turnhalle diente bis 1910 der Realschule des Johanneum. Diese teilte sich das Haus mit der Gewerbeschule, der Schule für Bauhandwerker, der Bauzeichenklasse der Patriotischen Gesellschaft, dem Botanischen Institut, der völkerkundlichen Sammlungen und dem 1874 gegründeten MKG. Bis heute spiegelt der Grundriss mit Klassenräumen, Aula und Turnhalle den historischen Gründungsgedanken wider. Als einziges Museum seiner Art residiert das MKG noch heute in seinem angestammten Haus und setzt mit diesem Umbau weitere wichtige Impulse für eine zeitgemäße Museumsarbeit. Neben Räumen der Wissensvermittlung und Konzentration bietet das Museum auch heute Orte der Kommunikation und Aktion. Für dieses charakteristische Ordnungsprinzip steht die „Turnhalle“ im Zentrum der Vierflügelanlage mit Mittelachse und zwei Höfen.

Foto: MKG