Geschichte

Als „Museum für Kunst und Industrie“ wird das MKG 1866 von der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg initiiert. Beispiele guter Gestaltung aus Geschichte und Gegenwart sollen als Vorbilder für zeitgenössische Kunsthandwerker und Industriedesigner unter einem Dach gesammelt und präsentiert werden. Gründungsdirektor Justus Brinckmann (1877-1915) realisiert diese Pläne und eröffnet 1877 das Museum für Kunst und Gewerbe am Steintorplatz in Hamburg als eines der frühesten Beispiele dieses neuen, lebenspraktischen Museumstyps. Historische kulturelle Leistungen werden bürgernah aufbereitet, um durch Geschmacksbildung die Qualität der regionalen Produktion zu steigern und damit auf dem Markt konkurrenzfähig zu halten. In den ersten Jahren verleiht das MKG zahlreiche Objekte als Musterbeispiele, die den Werkstätten als unmittelbare Inspirationsquelle dienen.

Diese Ursprungsidee aus dem Zeitalter der industriellen Revolution ergänzt die nächste Generation mit Direktor Max Sauerlandt (1919-1933) um die Vision von einer enzyklopädischen, kulturhistorischen Sammlung, die 4000 Jahre menschliche Kreativität in herausragenden Objekten dokumentiert. Gleichzeitig wird dem expressionistischen Gedanken von der Einheit der Künste durch progressive Ankäufe moderner Kunst ein fester Platz in der Sammlung eingeräumt. Das Engagement für die zeitgenössische Kunst wird durch die Kunstpolitik des Nationalsozialismus unterbrochen: 1937 wurden etwa 250 Werke infolge der diffamierenden Ausstellung „Entartete Kunst“ beschlagnahmt und gelten mit wenigen Ausnahmen als verschollen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 stehen die wissenschaftliche Erschließung der Bestände und die konsequente Stärkung der Sammlungen im Mittelpunkt. Ein Höhepunkt in der Geschichte des MKG bleibt 1981 die Ausstellung „Tutanchamun“. Mit 620.000 Besuchern organisierte Direktor Axel von Saldern (1971-1988) die erste Blockbuster-Ausstellung Deutschlands. Unter der Leitung von Wilhelm Hornbostel (1988-2008) erhält das MKG 2000 mit dem Schümann-Flügel einen Erweiterungsbau und wird 1999 in eine Stiftung öffentlichen Rechts überführt. Bis heute ist das Haus stolz auf seine Nähe zu den Bürgern, verbindet Traditionsverbundenheit mit Zukunftsoffenheit und erfüllt seinen Gründungsauftrag als publikumsorientierte Bildungseinrichtung. Seit seinen Anfängen agiert das MKG in der Gegenwart und nimmt Stellung zu Fragen der zeitgenössischen Gestaltung. Ein wichtiges Instrument ist seit 1879 die MKG Messe für Kunst und Handwerk, auf der das Publikum mit Kunsthandwerkern und Produktdesignern in einen direkten Dialog treten kann.