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14. März bis 29. Mai 2016
Schmuckraum
Wolfgang Skoluda

Wie die Mode, so gehört der Schmuck zu den wichtigen Insignien persönlicher Ausdrucksmöglichkeiten. Seine Funktionen reichen von der magischen Abwehr böser Kräfte über die Repräsentation von Status und Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Gruppen bis hin zu freiem Autorenschmuck, der seine Träger als kreative Individuen ausweist. Schmuck war und ist ein Kommunikationsmittel. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) besitzt eine umfangreiche, vier Jahrtausende umfassende Schmucksammlung. Ein Schwerpunkt liegt auf dem antiken Schmuck, ein weiterer auf dem Schmuck des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Sammlung spiegelt das facettenreiche Spektrum von den großen Klassikern der traditionellen Goldschmiedekunst über avantgardistische Tendenzen bis hin zum freien Schmuck, der sich ab den 1960er Jahren zu einer eigenständigen Kunstgattung entwickelt. Die Jahresmesse für Kunst und Handwerk, die seit über 130 Jahren im MKG stattfindet und damit eine der ältesten Kunstmessen in Deutschland ist, bietet alljährlich eine wichtige Plattform für aktuellen Schmuck. Hier können die Besucher ihren Blick für handwerkliche Virtuosität, materialgerechte Verarbeitung sowie experimentelle Ansätze und neue Konzepte von Schmuckform, -farbe und -material schärfen. Zukünftig möchte das MKG den Schmuck stärker in den Fokus der Besucher rücken und etabliert hierfür einen neuen Ausstellungsraum. In Einzel-, Gruppen- und Themenausstellungen wird die Schmucksammlung des MKG neu kontextualisiert und mit den aktuellen Schmuckdiskursen vernetzt.

Den Auftakt zur neuen Ausstellungsreihe liefert Wolfgang Skoluda (*1935). Er gehört zu den bedeutendsten Schmuckmachern in Hamburg und ist seit 1959 kontinuierlich auf der MKG Messe für Kunst und Handwerk vertreten. Das MKG zeigt seine erste Einzelausstellung und bietet mit mehr als 100 Schmuckstücken einen Einblick in über 50 Jahre seines Schaffens. Skoluda passt sich keinem Zeitgeist an, keinen Moden der Konzeptkunst oder des Autoren-schmucks. Er hat vielmehr seinen ganz eigenen Zeitgeist entwickelt, der die zuweilen Jahrtausende alte Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet, den Orient mit dem Okzident. Von der Schneiderlehre über das Kunststudium der Malerei in Hamburg kommt Wolfgang Skoluda zum Schmuck. Die Techniken, die es zum Schmuckmachen braucht, erarbeitet er sich autodidaktisch. Die ganz frühen Arbeiten Ende der 1950er und 1960er Jahre entstehen aus Silber, Silberdraht oder Blech. Für die Ketten, Armbänder und Brautkronen entwickelt er eigene Verbindungselemente, das Löten ist verpönt. Auch beim Goldschmuck „erfindet“ Skoluda neue Techniken. Über das Münzsammeln entdeckt er seine Leidenschaft für antike Steine aller Art. Auf diesem Gebiet wird Skoluda fortan zum Jäger. Er folgt der Spur der Steine in doppelter Hinsicht. Ihre Sprache erzählt dem Schmuckma-cher eine Geschichte, die er wiederum in eine eigene Ästhetik übersetzt. Der jeweilige Stein gibt die Gestaltung des Schmuckstücks vor. Die Steine erzählen, je nach kulturellem Kontext und Herkunft, Geschichten von Heilung, vom Schutz gegen das Böse, von Magie, Zauber, Medizin, von Repräsentation, von Verehrung, Status und Luxus, von hoher Kunstfertigkeit, von Geheimnissen oder von Episoden aus der antiken Götterwelt. Als Sammler betreibt Skoluda Spurensicherung und eignet sich mit jedem Objekt Geschichte und Wissen an. Als Schmuckmacher bedient er sich des Prinzips der Collage. Er rekontextualisiert, fabuliert und folgt dabei seiner Intuition. Sein Schmuck ist dionysisch, er scheut nicht die Opulenz, den Glanz, das Ausschweifende und verkörpert ein klares Bekenntnis zur weiblichen Silhouette. In einem Bonmot bekennt der einstige Maler Skoluda „Ich sehe meine Produkte lieber am Hals einer Frau als an der Wand.“ In diesem Sinne ist für ihn das „Kettenmachen das Natürlichste der Welt.“


Abb.: Ausstellungsansicht, Foto: Lena Kern | Wolfgang Skoluda, Schmuck, Foto: Benne Ochs