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3. Oktober 2014 bis 18. Januar 2015
Bilder auf mobilen Wänden
Stellschirme aus Japan und dem Westen

Der ursprünglich aus China stammende Stellschirm erhält in Japan eine ganz eigene Bedeutung und Gestalt. In dem traditionellen japanischen Haus mit nur wenigen festen Wänden und Möbeln sind bemalte Stellschirme, „byobu“, ein wirkungsvoller und flexibler Raumtrenner und Sichtschutz. In den Burgpalästen des Kriegeradels waren sie Symbol für Macht und Reichtum ihrer Besitzer. Und in den Abtwohnungen der Zen-Tempel bildeten sie ein kontemplativ-poetisches Raumelement und zugleich den ehrwürdigen Prospekt für die Respektsperson. Ein künstlerischer Wendepunkt ergab sich durch die Erfindung von Scharnieren aus Papier. Die einzelnen Paneele bildeten nun ein zusammenhängendes Bild. Auch die Einführung paarweise aufgestellter Schirme mit übergreifenden Kompositionen und die Neuerung von Malerei auf Goldfolie führten zu imposanten Darstellungen voll Dynamik und Raffinement. Die Künstler des Jugendstils und Art déco wurden von den japanischen Stellschirmen zu eigenen Schöpfungen inspiriert. Der Paravent wurde ein exotischer Einrichtungsgegenstand. Das bleibende Interesse an diesem Format ist an Werken von Marc Chagall oder Jim Dine zu sehen. Die Ausstellung zeigt mit japanischen und westlichen Stellschirmen vom 17. bis 20. Jahrhundert den Wandel in der Bedeutung des Stellschirms, der Möbel und Bildträger zugleich ist.

Abb.: Tosa-Schule, Der Held Narihara und seine Begleiter bewundern den schneebedeckten Fuji-Berg, Japan, Edo-Zeit, um 1700, Malerei mit Tusche, Farben und Gold auf Papier, © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg