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15. Juni 2012 bis 24. August 2014
Patente Instrumente
Schnabelflöten, Trichtergeigen und andere Erfindungen

Hat die Stradivari keine Konkurrenz? Wann verlor die Geige ihren Körper? Was ist eigentlich eine Schnabelflöte? Wie kam die Oboe zu ihrem Namen und die Querflöte zu ihren Klappen? Und seit wann darf auch die Dame Flöte spielen? Viele spannende Fragen entführen die Besucher in die Instrumenten- und Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. In sechszehn Kapiteln erzählen rund 100 ungewöhnliche Instrumente aus der Sammlung Wolfgang Hanneforths davon, wie Geigenbauer, Ingenieure, Erfinder, Musiker, Uhrmacher, Goldschmiede und andere experimentierfreudige Handwerker Musikinstrumente als technisch-wissenschaftliche Objekte begriffen. Sie tüftelten, forschten, experimentierten und machten sich die neuesten technischen und physikalischen Erkenntnisse der jungen Wissenschaften zunutze, um nach dem perfekten Klang zu suchen. Die Ausstellung zeigt die Ergebnisse: Technisch außergewöhnliche und in ihrer Konstruktion innovative Streich- und Holzblasinstrumente. Zu den herausragenden Stücken der Ausstellung zählen die für frühe Tonaufnahmen von dem Ingenieur Johann Matthias Augustus Stroh entwickelten „Strohgeigen“ mit einem schallverstärkenden Metalltrichter oder Violinen mit außergewöhnlichen Korpusformen, wie die von François Chanot entworfene Violine mit gitarrenähnlichem Klangkörper. Zu sehen sind auch seltene Tanzmeister- oder Taschengeigen (Pochettes), verschiedene Stumme Geigen und Miniaturinstrumente. Von besonderem historischem Wert sind Französische und Englische Flageoletts. 42 Audiotracks mit Hörproben der historischen Instrumente, Filme mit Menuett- und Tangotänzen und zwei Hörfeatures lassen die Musikinstrumente, ihren Gebrauch und ihre Zeit lebendig werden. Der Audio-Katalog wird nicht nur als klassischer Audioguide angeboten, sondern auch als kostenlose App für das iPhone (download hier). Das mediale Vermittlungskonzept wurde von Frank Böhme, Fabian Czolbe und Studierenden der Hochschule für Musik und Theater Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Kurator Olaf Kirsch entwickelt. Die Ausstellung wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Gerhard Trede-Stiftung, der Justus Brinckmann Gesellschaft, der Hamburgischen Kulturstiftung und der Ernst August Bester Stiftung.

Abb.: Stagg-Music, Belgien, Elektrogeige, China, um 2005, Foto: Maria Thrun; Geb. Wolff, Kreuznach, Modell Stumme Geige, vermutlich Deutschland, zwischen 1910 und 1920, Foto: Maria Thrun; Julius Zoller, Entwurf Violine in Flaschenform, vermutlich Nachbau der Firma Framus International, Karlsruhe, 1980, Foto: Maria Thrun; Johann Matthias Augustus Stroh, Strohgeige, London um 1910, Foto: Roman Raacke; unsigniert, Stumme Geige, vermutlich Deutschland, spätes 19. Jh., Foto: Roman Raacke