Archiv

24. April bis 3. November 2013
Typisch Japan
Reisefotografie des 19. Jahrhunderts

Blühende Kirschbäume, Lotosblüten, Geishas im Kimono, stille Tempelstätten: Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zeigt aus seiner Sammlung rund 100 Exponate der japanischen Reisefotografie, die zwischen 1870 und 1900 entstanden. Die handkolorierten Fotografien, Glasdias, Stereofotografien, Lack-Alben und Fotopostkarten, stammen von elf verschiedenen Fotografen und Ateliers. Sie werden ergänzt durch Kunsthandwerk, das auf den Weltausstellungen in London, Paris, Wien und Chicago verkauft wird und großes Interesse an Japan auslöst. Die Ausstellung beleuchtet die Rolle der Fotografie im aufkommenden Tourismus. Die touristische Erschließung Japans löst eine immense Produktion von Souvenirs aus. Das populärste Produkt war die Fotografie, allein im Jahr 1897 werden 25.000 Abzüge nach Europa exportiert. Globetrotter und Japantouristen erwerben die Aufnahmen vor allem in Yokohama. Die Daheimgebliebenen unternehmen anhand der Bilder imaginäre Reisen in die Fremde. Die frühen Aufnahmen vermitteln erste Bilder von einem Land, das bis 1868 isoliert und wenig bekannt war. Die Fotografen entfernen sich jedoch schnell von ihrem dokumentarischen Blick. Es bilden sich zunehmend stereotype Ansichten und Bildmuster heraus. Neben Architektur- und Landschaftsaufnahmen sind es vor allem Typenporträts von Geishas, Samurai, Ringern, Lastenträgern und Straßenverkäufern. In Fotostudios werden die Einheimischen in traditioneller Kleidung und mit typischen Tätigkeiten inszeniert. Diese Motive bedienen vor allem die Vorstellungen der Europäer von einer exotischen Fremde und prägen bis heute unser Japan-Bild. Noch immer faszinieren die Fotografien durch ihre starke Inszenierung und ihre Kolorierung, die von japanischen Farbholzschnitten angeregt sind.

Abb.: Kusakabe Kimbei, Tänzerinnen, um 1890, Albumin, koloriert, Foto: MKG