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16. August bis 17. November 2013
Kairo
Neue Bilder einer andauernden Revolution

Die Ausstellung handelt von dem politischen und sozialen Erwachen einer Generation in Ägypten. Dies ist mit dem Beginn der Massenproteste am 25. Januar 2011 auf dem Kairoer Tahrir-Platz sichtbar geworden und äußert sich aktuell in einer neuen Welle von Protesten und dem Sturz Mohamed Mursis. Gleichzeitig fragt sie nach der Rolle der Bilder und der neuen digitalen Netzwerke, die dazu dienten, den Aufstand zu initiieren, aufzuzeichnen und in die Welt zu tragen. Die Ausstellung, an deren Konzeption ägyptische KünstlerInnen, FotografInnen, AktivistInnen und KuratorInnen beteiligt sind, zeigt Aufnahmen von ausländischen und ägyptischen Agenturfotografen, den klassischen Protagonisten der Berichterstattung, aber auch eine Twitterwand, Videoporträts von Augenzeugen, Mitschnitte und Bilder der Aktivisten und „Bürgerjournalisten“ wie sie auf Medienportalen wie Flickr veröffentlicht werden, Dokumente, die von KünstlerInnen gesammelt wurden – geschaffen, um Meinungen zu äußern, den Lauf der Dinge zu beeinflussen, Bilder für die Erinnerung zu schaffen, der Opfer zu gedenken und Zeugnis abzulegen. Die Allgegenwart der digitalen Beobachtung, der Livestream der Revolution, die neue Verbreitung und die alternative Berichterstattung über Kommunikationsplattformen und soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter stellen die eine Seite der Ausstellung dar. Die andere beschäftigt sich mit dem Kreislauf dieser Bilder, ihrer Präsenz im Stadtraum, ihrer Rolle auf Transparenten, Zeitungscovern, Graffitis, etc. Die Instrumentalisierung dieser Bilder im Kampf um die öffentliche Deutungshoheit des Geschehens zeigt ihre Macht und die Widerständigkeit, die ihnen zugetraut werden. Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Freiheitsbewegungen der arabischen Welt und begleitet ein neues Kapitel in der Geschichte der Bilder. Die Präsentation hat ein experimentelles Format und übernimmt das Offene des politischen Prozesses als formales Prinzip. So ist das Projekt für die Station in Hamburg aktualisiert worden und zeigt auch Bilder und Tweets, die dem Sturz des Präsidenten Mohamed Mursi vorausgegangen sind und den fortdauernden politischen Wandel begleiten.

Eine Ausstellung des Museum für Photographie Braunschweig und des Museum Folkwang, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, enstanden in Kooperation mit dem Goethe Institut.

Abb.: Protestmarsch von Frauen zum Pressesyndikat, Kairo, 20.12.2011, Foto: Aly Hazzaa

Die einzelnen Kapitel und Stationen sind von namhaften Persönlichkeiten der Kairoer Kunstszene kuratiert, darunter die Künstlerinnen Lara Baladi und Heba Farid, die Fotografen Thomas Hartwell und Tarek Hefny, die Künstlerin und Aktivistin Jasmina Metwaly, der Filmemacher Philip Rizk und die Journalisten Rowan El Shimi und Alex Nunns.