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12. April bis 4. August 2013
Antike als Dekor
Die Grafiksammlung Wangenheim

Wie sah das Zeitalter der Aufklärung die Antike? Welche Bilder dienten damals der Anschauung? Die Grafiken dieser Ausstellung vermitteln ein vielschichtiges und intensives Bild vom Geistesleben des 18. Jahrhunderts. Es war die Zeit, als Johann Joachim Winckelmann, der Begründer der klassischen Archäologie, oder auch der junge Goethe Italien bereisten. Als Vertreter der Aufklärung suchten sie nach einer idealen antiken Welt, die Vorbilder für die eigene Zeit liefern könnte. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zeigt rund 100 Grafiken aus der Sammlung Wolfgang von Wangenheim, die der Berliner Sammler dem MKG anlässlich dieser Ausstellung vermacht. Sie stammen aus Italien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland und entstanden im 16., 17. und 18. Jahrhundert. Die Grafiken von Bauwerken, Gemälden und Skulpturen interpretieren die Werke anderer Meister wie Michelangelo, Raffael, Giulio Romano, Primaticcio, Carracci, David oder Thorvaldsen. Die „Interpreten“ ihrer Werke, die die erschwinglichen Grafiken für die Daheimgebliebenen produzierten, kennen heute nur die Fachleute, obwohl unter ihnen großartige Könner waren. Heute ist es leicht möglich, die Originalwerke mit eigenen Augen zu betrachten, im Jahrhundert Winckelmanns war das nur wenigen wohlhabenden Bildungsreisenden vergönnt. Immerhin hat es auch im Hamburg jener Epoche nicht wenige Häuser gegeben, wo genau diese Blätter, diese Vervielfältigungen ausgestellt und bewundert wurden. Goethes Haus am Frauenplan zu Weimar vermittelt bis heute den Einblick in die Intérieurs jener Zeit mit ihren Ansichten aus zweiter Hand von ganz eigenem Reiz.

Abb.: Monogrammist ACI nach Annibale Carracci (1560-1609), Ganymed mit dem Adler, Aus dem Deckengemälde im Palazzo Farnese, Rom, Ende 17. Jh., Radierung, 15 x 20 cm, Foto: MKG