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2. September 2016 bis 23. Juli 2017
sports/no sports

Fußballtrainer tragen Maßanzug. Sneakers und Jogginghosen sind bürotauglich. Stars zeigen sich in Shorts auf dem roten Teppich und Fidel Castro empfängt den Papst im Trainingsanzug. Wo vor wenigen Jahren noch festgelegte Dresscodes herrschten, scheint heute das "anything goes" zu gelten. Die Ausstellung sports/no sports im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) befasst sich mit der Wechselwirkung von Mode und Sportbekleidung und richtet den Blick auf gesellschaftliche, formale und ästhetische Zusammenhänge. Erstmals in Deutschland widmet sich eine Ausstellung umfassend diesen beiden Phänomenen, die sowohl der Integration als auch der Individualisierung des Einzelnen in der Gesellschaft dienen und gesellschaftliche Strukturen unmittelbar widerspiegeln. Mit rund 150 Kleidungsstücken, Grafiken, Plakaten, Fotografien und Filmen beleuchtet sie die Entwicklung von Mode, Sportbekleidung und wechselnden Körperidealen sowie den Einfluss der Textiltechnologie auf die Kleidung. Die Ausstellung verfolgt den Wandel der Bekleidungsformen und -normen durch Sport, erzählt von der Abschaffung des Korsetts, vom Siegeszug des Trikots und der Hose und von der zunehmenden Androgynisierung der Mode. Damit einher geht auch die Perfektionierung des Körpers vom Schnürleib über den vitalen Sportkörper bis zum Body-Shaping. Ausgehend von der bewegungseinschränkenden Gesellschaftsmode des 18. und 19. Jahrhunderts (before sports) entwickelt sich die Liberalisierung der Kleidung. Die tatsächliche Sportkleidung seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts (sports) wird modischen Hybrid-Formen (sports?) gegenübergestellt. Die zeitgenössische Avantgardemode (no sports) verneint jegliche Funktionalität und schöpft aus vielen Quellen. Die Schau zeigt ausgewählte Objekte aus der umfangreichen Mode-Sammlung des MKG und internationale Leihgaben. Ermöglicht wird die Ausstellung mit freundlicher Unterstützung der Karin Stilke Stiftung.


Abb.: Paillettenkleid, Tom Ford, Herbst/Winter 2014, Eigentum der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen, © MKG