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Neueinrichtung Sammlung Islamische Kunst

Das MKG stellt seine Sammlung islamischer Kunst auf erweiterter Fläche und in neuer Konzeption vor. Vor dem Hintergrund des zunehmenden öffentlichen Interesses an muslimischen Kulturen will das MKG den Islam als kulturelle Größe und Weltreligion in seiner historischen, geografischen, sozialen und politischen Vielfalt und Bedeutung erfahrbar machen. Die aktuelle Zerstörung historischer Stätten im Nahen Osten macht es umso dringlicher, die Geschichte und die Errungenschaften der großen Zivilisationen der Menschheit zu bewahren und weiterzuerzählen. Die Präsentation nimmt, wie auch zuvor bei den neu gestalteten Themen Buddhismus, Christentum und Judentum, zentrale Aspekte in den Blick, die die Kultur des Islam auszeichnen: Die große Vielfalt islamischer Kulturen, die Wechselwirkungen und der Wissenstransfer mit dem Alten Orient, den ostasiatischen und europäischen Kulturen und die Bedeutung der Religion für die künstlerische Produktion. Der historische Parcours wird durch wechselnde Arbeiten zeitgenössischer Künstler ergänzt. Sie bieten verschiedene Perspektiven auf den Umgang mit dem kulturellen Erbe und greifen aktuelle Themen auf. Der Animationsfilm Simorgh des Iraners Meghdad Asadi Lari bearbeitet beispielsweise mit der „Konferenz der Vögel“ ein bedeutendes Werk der persischen Mystik aus dem 12. Jahrhundert. Die libanesische Comic-Autorin Zeina Abirached erzählt von ihrem familiären Alltag während des Bürgerkriegs. Die Ausstellung zeigt rund 270 Exponate wie Architekturteile, Fliesenfelder, Keramik, Teppiche, Stoffe mit Metallbroschur, Buchkunst, tauschierte Metallgefäße, Filme und Graphic Novels. Mit dieser Neuaufstellung will das MKG dem verbreiteten Vorurteil entgegenwirken, der Islam sei eine in sich geschlossene Welt, die durch ein einheitliches Erscheinungsbild gekennzeichnet ist. Mit ausgewählten Sammlungsobjekten erzählt das MKG von der Vielfalt ihrer Gebrauchsweisen und ihrer Bedeutungen in alltäglichen, rituellen und künstlerischen Zusammenhängen. Ziel der Neupräsentation der Sammlung Islamische Kunst ist es, mit diesen Erzählsträngen und Zugängen eine komplexe Zivilisation nachzuzeichnen, die über Epochen und Grenzen hinweg immer in Bewegung und im Austausch war und die das Abendland mitgeprägt hat. Die kulturelle Vielfalt islamisch geprägter Kulturen zeigt sich bis heute in der unterschiedlichen Einstellung zur Figurendarstellung oder zur religiösen Praxis. Auch im Bereich des Glaubens existieren verschiedene Interpretationen und Wege.Die Neuaufstellung wird ermöglich durch die großzügige Unterstützung folgender Saalpaten: Jürgen und Monika Blankenburg-Stiftung, Veronika und Volker Putz-Stiftung, Freunde von Peter Schmidt, Justus Brinckmann Gesellschaft und Herbert-Pumplün-Stiftung. Die Agnes Gräfe Stiftung ermöglichte die denkmalgerechte Rekonstruktion der Ausstellungsräume. Die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. finanziert einen Stipendiaten für interreligiösen Dialog im MKG im Rahmen des Projektes „Kulturelle Vielfalt und Migration“. Für die Neueinrichtung der Sammlung Islam konnten aus Mitteln der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen vier herausragende Objekte erworben werden.

Abb.: Fliesenbogen, Iznik/Türkei, Osmanische Dynastie, Mitte 16. Jh., Quarzfritte mit Glasur, Foto: Maria Thrun/MKG | Ausstellungsansichten, Foto: Luther/Fellenberger