Aktuell

ab 6. Oktober 2016
Mobile Welten
Zur Migration von Dingen in transkulturellen Gesellschaften

Unzählige Dinge wandern über den Erdball – in Form von Handelsware, als virtuelle Gestalten auf Computerbildschirmen und im Gepäck von Touristen oder Migranten. Sie werden gekauft, getauscht, gestohlen, gesammelt, geschmuggelt, verschenkt und ausgestellt. An ihnen haften Schicksale. Folgt man den Bewegungskurven der Dinge – der schweizerischen Uhr im Haushalt des Kaisers von China, den als typisch afrikanisch erachteten Stoffen aus holländischer Produktion, der Nudel auf dem heimischen Teller, dem Kopftuch der bayerischen Bäuerin oder dem selfie stick in den Händen des Touristen –, so erfährt man viel Überraschendes über "gesellschaftliche Wandlungsfähigkeit". Diese Bewegung von Objekten, Menschen und Ideen sowie die damit einhergehende Vermischung von Kulturen im Einwanderungsland Deutschland sind Gegenstand des Forschungsvorhabens Mobile Welten. Zur Migration der Dinge in transkulturellen Gesellschaften. Gemeinsam mit der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main und der Erich-Kästner-Schule in Hamburg-Farmsen untersucht das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) unter der kuratorischen Leitung von Roger M. Buergel die komplexen Verflechtungen von Objekt- und Lebenswelten durch Migration in Vergangenheit und Gegenwart. Gefördert wird das Projekt für drei Jahre über die Forschungsinitiative "Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie vom Johann Jacobs Museum Zürich. | weitere Informationen unter www.mobile-welten.org

 

Auftaktkonferenz

Am Beginn des Projekts Mobile Welten versammelt eine Konferenz am 6. und 7. Oktober 2016 im MKG Stimmen aus der Universität, dem Museum, der Kunst sowie dem institutionskritischen Aktivismus, um Bilanz zu ziehen: Welchen Niederschlag haben die zahllosen Initiativen und Projekte zu den Themenkomplexen "Migration und Museum", "Transkulturalität", "Vermittlung und kulturelle Bildung" oder "Kunst und transdisziplinäre Forschung" bislang gefunden? Welche Elemente dieser Debatten und Praktiken haben sich bewährt und woran lässt sich anknüpfen? Das ausführliche Programm finden Sie hier. | Die Teilnahme am Symposium ist kostenlos. Anmeldung bis zum 4. Oktober 2016 bei: lerch-zajaczkowska(at)mobile-welten.org

 

Ausstellung: "Das transkulturelle Klassenzimmer"

Ab dem 6. Oktober 2016 zeigt eine Ausstellung, die sich fortlaufend weiterentwickelt, das Ergebnis einer ersten Sichtung der Bestände des MKG. Unter der kuratorischen Leitung von Roger M. Buergel erforscht das MKG eigene Objekte auf ihre Transkulturalität. Dazu gehört beispielsweise persische Töpferware, die chinesisches Porzellan imitiert, oder ein Mantel von Alexander McQueen, der das britische Empire mit indischen Mustern bekämpft. Diese Objekte sprechen wenigstens zwei oder drei Sprachen – ebenso wie viele Bewohner der Stadt. In die Ausstellung fließen auch erste Erkenntnisse der Dingforscher ein. Das sind Schüler der Erich-Kästner-Schule in Hamburg-Farmsen, die als Experten des transkulturellen Alltags aktiv in die museale Forschung und Ausstellungsgestaltung eingebunden werden und das Museum untersuchen, aber auch die kulturübergreifende Dingordnung ihrer eigenen Lebenswelt ethnographisch erforschen. Ziel dieser wilden Forschung ist der Aufbau einer zweiten Sammlung von Ausstellungsobjekten, welche die historischen Exponate des Museums kommentiert, unterstützt oder konterkariert.

 

Abb.: Ohne Titel, 2004, © Ines Doujak